Orthopädische Erkrankungen
Wirbelsäule
Allgemeine Informationen
zum „Rückenschmerz“
Rückenleiden betreffen eine sehr große Bevölkerungsgruppe, sind somit eine „Volkskrankheit“ und stellen eine volkswirtschaftlich absolut relevante Erkrankung dar. Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten und kostenintensivsten Problemen in Deutschland. Ungefähr acht von zehn Deutschen leiden gelegentlich oder dauerhaft unter Rückenschmerzen1.
Jeder Zehnte sogar an schweren, in der Regel chronischen, Rückenschmerzen2. Das typische Auftreten von Rückenschmerzen lässt sich als chronisch rezidivierend charakterisieren. In Deutschland sucht jeder fünfte Patient einer allgemeinmedizinischen Praxis und jeder dritte Patient einer orthopädischen Fachpraxis seinen Arzt wegen Rückenschmerzen auf3.
Weitere interessante Fakten:
- Die häufigsten Therapieformen sind Physiotherapie (47 %), Spritzen (44%), Tabletten (33%) und Wärme-/Kältebehandlungen, sowie Massagen (je 27%)4.
- Rückenschmerzen verursachen in Deutschland einen jährlichen volkswirtschaftlichen Schaden in Höhe von zirka 49 Milliarden Euro5.
- Lediglich zirka 6-8 % der Patienten verursachen 80 % aller Kosten. Hierbei handelt es sich vor allem um Patienten, die unter schwergradigen chronischen Rückenschmerzen leiden6.
Häufig lassen sich Rückenbeschwerden mit o.g. Therapieformen gut konservativ therapieren. Nachdem die akute Schmerzphase überstanden ist nehmen weitere konservative und prophylaktische Massnahmen wie regelmässige, ausreichende und gezielte Bewegung und Sport, gezieltes Rückentraining mit rumpfstabilisierenden Übungen, Rückenschule und Erlernen von „rückengerechtem Verhalten“ im Alltag und vor allem am Arbeitsplatz, Gewichtsabnahme, usw. eine überragende Bedeutung ein.
1 Raspe 2012, 2 Mayer 2001, 3 Steffen & Krämer 1992, 4 Renker et al 2009, 5 Wenig et al 2009, 6 Kröner-Herwig et al 2011
Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Die PRT ist geeignet zur Behandlung von Schmerzzuständen und Nervenwurzelreizungen z.B. bei Bandscheibenvorfällen (NPP) oder Engstellen der Nervenaustrittslöcher (Neuroforamenstenosen) und des Rückenmarkskanals (SKS).
Bei der PRT wird unter röntgenologischer Kontrolle unter Bildwandler eine feine Kanüle nur wenige Millimeter neben der betroffenen Nervenstruktur platziert. Nun können schmerzlindernde (i.d.R. Lokalanästhetika) und/oder abschwellende Medikamente (i.d.R. das Corticoid Triamcinolon) eingebracht werden. Die Spritze beruhigt die Nervenwurzel, sodass der Schmerz schnell reduziert wird.
Außerdem erhöht sich nach mehreren Injektionen die Reizschwelle für den Schmerz, sodass ein Schmerzreiz den Nerv nicht mehr so leicht irritieren kann. Durch die Verminderung der Schmerzen kommt es schnell zu einer zunehmenden Entspannung der verkrampften Muskulatur. Die Spritze erfolgt auf der erkrankten oder, bei beidseitigem Schmerz, auf der im Moment stärker betroffenen Seite.
Der Eingriff wird unter sterilen Bedingungen in Bauchlage durchgeführt und ist schmerzarm. In der Regel ist ein stationärer Aufenthalt nicht notwendig. Nach dem Eingriff kann es zu einer kurzzeitigen Schwäche und Gefühlsstörung im Bereich der behandelten Nervenstruktur kommen, welche nach einigen Stunden spontan wieder verschwindet, ähnlich einer lokalen Betäubung beim Zahnarzt. Das bedeutet für Sie: Nach der Liegephase sollten Sie beim Aufstehen ganz vorsichtig sein, um nicht zu stürzen und sich vielleicht zu verletzen. Risiken und Komplikationen sind äußerst selten.
Die Kosten für die periradikuläre Therapie werden durch ihre Krankenkasse übernommen.
Gerne beraten wir Sie individuell in unserer Praxis und klären Sie entsprechend auf.
Die epidurale Injektion eignet sich zur Behandlung von „Engstellen“, wie sie z.B. bei Bandscheibenvorfällen (NPP), Einengungen des Rückenmarkskanals (SKS) oder Einengungen der Nervenaustrittslöcher (Neuroforamenstenosen) vorkommen. Häufig wird die epidurale Injektion begleitend zur periradikulären Therapie (PRT) durchgeführt.
Stellen Sie sich einfach vor, dass es bei diesen Erkrankungen zu einem Schwellungzustand einer oder mehrerer Nervenwurzeln innerhalb des Wirbelkanals kommt, durch den eine Entzündungsreaktion ausgelöst wird. Diese Form der Entzündungsreaktion wird nicht durch Bakterien gesteuert, aber die Reaktion des Körpers auf den Reiz entspricht der einer Entzündung. Es gilt, diese Reaktion in den Griff zu bekommen und vor allem auch, den Schwellungszustand der Nervenwurzel, der letztlich den Schmerz verursacht, zu verringern. Bei einem Bandscheibenvorfall erreichen wir durch die Spritze auch eine Schrumpfung der Bandscheibe und eine Festigung derselben.
Bei der epiduralen Injektion wird mit einer dünnen Spezialinjektionskanüle, zwischen zwei Wirbelköpern, der sogenannte Epiduralraum punktiert. Dies ist ein mit Fett und Bindegewebe ausgefüllter Raum zwischen der Knochenhaut der Wirbelkörper und der Hirnhaut, in welcher die Rückenmarksfasern, bzw. deren Ausläufer, liegen. Das Medikament (i.d. R. das Corticoid Triamcinolon) wird somit gezielt in den Wirbelkanal, also an den „Ort des Problems“ gespritzt.
Der Eingriff wird unter streng sterilen Bedingungen im Sitzen durchgeführt und ist schmerzarm. In der Regel ist ein stationärer Aufenthalt nicht notwendig. Risiken und Komplikationen sind äusserst selten.
Sollten Sie gerinnungshemmende Medikamente (Marcumar, Xarelto, Plavix, Arixtra, usw.) einnehmen, kann der Eingriff bei ihnen leider nicht durchgeführt werden.
Die Kosten für die epidurale Injektion werden durch Ihre Krankenkasse aktuell leider nicht übernommen und stellen somit eine individuelle Gesundheitsleistung dar.
Gerne beraten wir Sie individuell in unserer Praxis, erstellen einen Kostenvoranschlag und klären Sie entsprechend auf.
Die FB ist geeignet zur Behandlung von Schmerzzuständen und Reizungen im Rückenbereich, welche durch einen Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke (Facettenarthrose) und der knöchernen Strukturen (Spondylarthrose), sowie durch Fehlstellungen und Lockerungen innerhalb der Bänder und Kapseln verursacht sind.
Bei der FB wird unter röntgenologischer Kontrolle unter Bildwandler eine feine Kanüle direkt an die kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenke) platziert. Oft sind mehrere Gelenke gleichzeitig betroffen, sodass u.U. mehrere Kanülen gleichzeitig gesetzt werden. Nun können schmerzlindernde (i.d.R. Lokalanästhetika) und/oder abschwellende Medikamente (i.d.R. das Corticoid Triamcinolon) in niedriger Dosierung eingebracht werden um eine Reduzierung der Schmerzen und der entzündlichen Reizung zu erreichen.
Der Eingriff wird unter sterilen Bedingungen in Bauchlage durchgeführt und ist schmerzarm. In der Regel ist ein stationärer Aufenthalt nicht notwendig.
Im Gegensatz zur PRT sind nach dem Eingriff keine vorübergehenden Schwächen oder Gefühlsstörungen zu erwarten. Risiken und Komplikationen sind äußerst selten.
Die Kosten für die Facettengelenksblockade werden durch ihre Krankenkasse übernommen.
Gerne beraten wir Sie individuell in unserer Praxis und klären Sie entsprechend auf.
Das von uns angewandte, speziell für Wirbelsäulenpatienten entwickelte, Spritzenprogram, welches ich Ihnen beschrieben habe (PRT, FB, Epidural), weist sehr wenige Komplikationsmöglichkeiten auf. Im Rahmen meiner ärztlichen Aufklärungspflicht muss ich Sie jedoch auf die Möglichkeit folgender Zwischenfälle aufmerksam machen:
Entzündungen:
Wie bei jedem Eingriff in den Körper besteht die Möglichkeit des Entstehens einer Entzündung. Durch die Einhaltung von sterilen Arbeitsbedingungen, insbesondere bei der epiduralen Injektion, ist die Möglichkeit dieser Komplikation stark minimiert worden. Sollte es einmal zu einer entzündlichen Reaktion kommen, kann diese durch die Möglichkeit der medikamentösen Behandlung z. B. mit Antibiotika oder im Extremfall auch durch eine operative Ausräumung des Entzündungsherdes effektiv behandelt werden.
Kreislaufreaktion:
Bei den Injektionen mit einem Betäubungsmittel kann es zu Kreislaufreaktionen kommen. Diese sind nicht gefährlich und durch unser eingespieltes Team sicher zu beherrschen.
Allergische Reaktion:
Das von uns eingesetzte Betäubungsmittel kann in ganz seltenen Fällen einmal eine allergische Reaktion auslösen. Wenn sie also einen Ausschlag oder auch ein Hautjucken bemerken, sollten sie uns Bescheid sagen. Entsprechende antiallergisch wirksame Medikamente verschaffen schnell Linderung. Meist entsteht eine solche Allergie auch nur gegen ein Konservierungsmittel, sodass die Therapie dann mit einer Zubereitung des Medikamentes ohne Konservierungsmittel fortgeführt werden kann.
Kopfschmerzen:
Bei der Spritze in den Wirbelkanal (Epidurale Injektion) kann es dazu kommen, dass die Rückenmarkshaut durchstochen wird und ein paar Tröpfchen Nervenwasser verloren gehen. Dadurch können in seltenen Fällen Kopfschmerzen entstehen. Durch unsere oben beschriebene Technik mit extrem dünnen Spezial-Injektionsnadeln ist diese Komplikation jedoch außerordentlich selten.
Sie werden vor dem Eingriff selbstverständlich nochmals schriftlich über alle möglichen, wenn auch sehr seltenen, Risiken und Komplikationen aufgeklärt.